Mitgliederbericht
Ort: Norwegen |
Zeit: 15.05.97 - 14.06.97 |
Autor: |
Norwegenreise zum 70. Geburtstag Donnerstag, 29.05.97 Um 11.00 Uhr verlassen wir nach dem üblichen Programm den Campingplatz. Früh morgens hatten wir leichten Regen, mittlerweile scheint aber wieder die Sonne. Als erstes müssen wir eine Tankstelle ansteuern, weil das WOMO Nachschub braucht. Da die Tankstelle in einem Einkaufszentrum ist, wird auch gleich eingekauft und mit zu Hause telefoniert. Dann fahren wir die E 16 entlang bis nach Dale. Hier beginnt eine alte Straße übers Fjell (Bergsdalen), die heute auf unserem Plan steht. Gleich nach den letzten Häusern des Ortes geht es steil bergauf. Dann kommt ein Tunnel, der laut dem davorstehenden Schild nur 2,80 Meter hoch ist. Das WOMO ist aber höher! Da wir hier nicht zum ersten Mal sind, wissen wir natürlich, daß wir trotzdem durchfahren können, wenn Bernhard nur schön in der Mitte des Tunnels bleibt. Wir bleiben mit dem Golf stehen und filmen, wie das WOMO im Tunnel verschwindet. Gleich hinter dem Tunnel ist ein kleiner Parkplatz. Dort stoppen wir. Man kann zu Fuß auf einem Weg um den Tunnel herumgehen. Der Blick ins Tal ist phantastisch. Der nächste Halt wird an einem Wasserfall eingelegt. Norbert und ich sind mit dem Golf vorgefahren, und ich filme jetzt, wie sich Broscharts langsam nähern. Nach kurzer Pause geht's weiter die enge, sich in vielen Kurven bergauf windende Straße entlang. Längst sind wir wieder im Winter angekommen, fahren an schneebedeckten Bergen und zugefrorenen Seen entlang. An einem Parkplatz über einem solchen See machen wir Mittagsrast. Ein Schild verkündet, daß hier das Baden verboten ist. Aber das haben wir ja auch gar nicht vor. Bernhard und Maria entdecken oberhalb der Straße eine kleine Hütte, die ihnen als Zweitwohnsitz gefallen würde. Kurz vor 15.00 Uhr fahren wir weiter, kommen langsam wieder vom Winter in den Frühling. Kurz bevor wir wieder die E 16 erreichen, sehen wir auf der anderen Seite des Tales, durch das diese führt, einen Wasserfall, der sich tief hinunterstürzt. Bernhard merkt sich den vor für den nächsten Urlaub, denn heute wollen wir ja noch bis Gudvangen kommen. Wieder auf der E 16 angekommen, machen wir kurz vor Voss auf einem Parkplatz an einem See noch einmal eine Pause. An einem Kiosk gibt es gutes Eis, was natürlich gleich ausgenutzt wird. Das Wetter ist herrlich, tiefblauer Himmel mit weißen Wolken, die Sonne scheint, und wir sitzen alle ohne Jacken - die Männer sogar mit kurzärmeligen T-Shirts - auf einer Bank. Auf einem Stein am Seeufer sitzen ein paar Möwen und genießen wie wir den Tag. Nach etwa einer Stunde Weiterfahrt halten wir am Tvindefoss, der sich in mächtigen Stufen über die Felswand stürzt. Die Sonne steht günstig für tolle Fotos und Filmaufnahmen, der ganze Fall leuchtet förmlich, und man sieht, wie das Wasser stäubt. Es sammelt sich zu einem kleinen Fluß, der sich plätschernd durch Wiesen davonmacht, vorbei an Birken mit leuchtenden weißen Stämmen und hellgrünem Laub; es sieht einfach toll aus. Wir folgen der E 16 weiter über Vinje nach Stalheim.
Dort auf der Höhe gibt es ein bekanntes Hotel, das für uns
aber viel zu teuer wäre. Es hat jedoch eine Terrasse, die auch
vorbeifahrende Touristen betreten dürfen. Der Blick von hier
gehört zu den berühmtesten in Norwegen! Tief unter uns sehen
wir einen Wasserfall, zu hören ist er nicht, obwohl er viel Wasser
hat. Das Tal mit der Straße, die wir später fahren werden,
wird von hohen Bergen umsäumt. Wasserfälle stürzen
sich von den Felswänden hinab. Auf dem Weg zu den Autos gehen
wir durch das Hotel, in dessen Halle es ein kleines Museum gibt. Die
ersten Gäste versammeln sich schon zum Essen, während wir
uns wieder auf den Weg machen. Ein weiterer Höhepunkt steht uns
bevor. Wir wundern uns, denken aber, daß sie schon vorgefahren sind zum Campingplatz, der nicht mehr allzu weit entfernt an dieser Straße liegt. Also fahren wir weiter. Von den Felsen rechts oben fällt ein Wasserfall herab. Die mittlerweile schon tieferstehende Sonne zaubert einen Regenbogen hinein, so daß er von oben bis unten bunt ist. Nach einigen Kilometern Fahrt erreichen wir den Campingplatz, der direkt an der Straße liegt. Vom WOMO ist nichts zu sehen. Wir fahren also dieselbe Strecke zurück, die wir gekommen sind. Und wer kommt uns entgegen? Des Rätsels Lösung: Bei unserem letzten Stop, ganz nahe bei dem Wasserfall, haben wir den Parkplatz blockiert, so daß Bernhard nicht halten konnte. Also sind sie über die E 16 noch einmal hinauf gefahren und wieder hinunter. Um 18.30 Uhr erreichen wir dann wieder den Campingplatz. Wir mieten zwei Hütten. Für Norbert und mich eine winzig kleine für zwei Personen. Sie hat ein Grasdach. In dieses Hüttchen habe ich mich schon vor zwei Jahren verliebt, als wir mit einem gemieteten Wohnmobil hier waren. Heute ist sie frei, also müssen wir sie haben. Bernhard und Maria haben die Hütte daneben. Sie ist größer, so daß wir dort gemeinsam essen können. Bernhard fängt auch gleich an zu kochen und verwendet eine Menge Knoblauch. Beim Essen schmieden wir Pläne für den nächsten Tag und kommen darauf, daß dieser Campingplatz der beste Ausgangspunkt ist, um auch die Fahrt nach Flåm von hier aus zu unternehmen. Also klären wir an der Rezeption, daß wir nicht nur eine, sondern zwei Nächte hier bleiben. Ausnahmsweise brauchen wir Bernhards Norwegischkenntnisse nicht, denn der Platzwart stammt aus Berlin und macht hier für seinen norwegischen Bekannten einige Tage Vertretung. Auf dem Campingplatz gibt es Waschmaschine und Wäschetrockner, also wird mal wieder die Wäsche gewaschen. Es hat sich schon wieder genug angesammelt. Von den hohen Felswänden hinter dem Campingplatz donnern mehrmals Schneelawinen herab, es klingt gefährlich! Bis spät in die Nacht spielen wir Karten, trinken Bier und Blasentee und gehen schließlich zu Bett. |
Freitag, 30.05.97 Früh klingelt der Wecker, denn wir wollen heute auf große Fahrt mit der Flåmbahn und anschließend wieder wandern. Auf der Fahrt von Gudvangen nach Flåm müssen wir durch 2 Tunnel, einer ist über zehn Kilometer lang. Wir fahren zu sechst mit dem WOMO los, der Golf bleibt bei unserem Grasdachhüttchen. Kurz vor 10.00 Uhr erreichen wir den Bahnhof von Flåm und stellen das WOMO ab. Es fällt auf, daß der Bahnhof das weitaus größte Gebäude von Flåm ist, sonst stehen hier nur ein paar Häuser. Auch die Gleisanlagen sind beachtlich und erstrecken sich über riesige Flächen. Wir kaufen im Bahnhof die Fahrkarten, dann entern wir den Zug. Die Flåmbahn ist eine Nebenstrecke der Bergenbahn, die von Oslo nach Bergen fährt. Sie ist eine der tollsten Eisenbahnstrecken, die es gibt. In nur ca. 20 Kilometern führt sie von Meereshöhe steil bergauf bis auf über 800 Meter Höhe. Dabei fährt sie viele Schleifen und Kehren. Um 10.15 Uhr fährt unser Zug ab. Er ist ziemlich voll, der meiste Platz ist reserviert für eine Reisegruppe. Bernhard und ich bleiben an der Tür stehen, dort können wir recht gut fotografieren und filmen, denn es gibt keinen Fensterplatz mehr im Abteil. Die anderen setzen sich trotzdem. Auf der Fahrt durch das enge Flåmtal sehen wir Wasserfälle und steile Berghänge. Auf dem Weg zurück werden wir das alles noch viel besser sehen können, denn wir wollen talabwärts laufen, bis an irgendeine Bahnstation auf der Strecke, und von da ab dann wieder mit dem Zug bis ganz nach unten. Der Zug stoppt für einige Minuten am Kjosfoss, man kann aussteigen und ihn bestaunen und fotografieren. Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir Vatnahalsen, das ist für uns die Endstation und liegt über 800 Meter hoch. Der Zug fährt noch weiter hinauf. Ich fotografiere ihn noch, während der Schaffner zur Abfahrt pfeift, dann sehen wir uns um. Wir sind schon wieder sehr hoch oben, also im Winter. Überall liegt noch Schnee, die Wege aber sind frei. Es gibt hier oben ein großes Hotel, in dem wir als erstes die Toilette aufsuchen müssen. Dann beginnt, um 11.00 Uhr, unsere Wanderung zurück nach Flåm. Das Wetter ist wieder herrlich, die Sonne scheint vom blauen Himmel, also genau richtig zum Laufen. Gleich zu Beginn des Weges mache ich ein Foto von den anderen neben einer Schneewand am Wegesrand. Nach zehn Minuten gibt es die erste Überraschung: der Weg ist von Schneemassen verschüttet und nicht mehr zu sehen. Es sieht aus, als sei es nur ein kurzes Stück, also stampfen wir weiter. Das nächste Stück des Wegs ist frei, dann kommt wieder Schnee. Wir befinden uns an einem Nordhang und sehr weit oben, deshalb liegt hier wohl im Mai noch so viel Schnee. Bernhard und Maria sind den Weg vor zwei Jahren im September gelaufen, da war natürlich davon nichts zu ahnen. Die Schneemassen werden immer mehr, vom Weg ist nichts zu sehen. Bernhard geht als Wegmacher voran und bahnt eine Spur, in die wir treten können. Der Schnee liegt noch hoch, wir sinken oft bis zum Knie ein. Dazu führt die Spur ständig am Hang entlang, und ich merke schnell, daß meine Schuhe für so etwas nicht gedacht sind. Ständig rutsche ich aus und falle im Geist dauernd den Hang hinunter. Wenn jetzt eine Fee käme und ich einen Wunsch frei hätte, wäre ich gern zu Hause in meinem Bett. Aber es kommt keine Fee. Die anderen merken nichts von meinem Zustand und daß ich schon heule vor lauter Angst, ihnen macht es offensichtlich Spaß, wenn das Laufen auch anstrengend ist. Erst als wir eine Pause machen, sehen sie, was mit mir los ist. Das löst natürlich Bestürzung aus. Bernhard fragt, ob wir wieder zurück gehen sollen. aber ob ich nun nach oben durch den Schnee muß oder nach unten, ist auch schon egal. Hedi hat ihre Kreislauftropfen dabei, von denen ich jetzt auch eine Dosis abbekomme. Während wir noch Pause machen, kommen von oben zwei Mountainbikefahrer herunter, die auch eher Schlitten gebraucht hätten. Dann laufen wir weiter, jetzt zur Abwechslung einmal den Hang direkt hinunter. Wieder tritt Bernhard die Spur, ich klammere mich an Norbert fest und habe die meiste Zeit die Augen zu. Dann endlich wird der Schnee weniger, jetzt sind schon Teile des Weges frei, nur in den Kurven liegt noch Schnee. Langsam interessiere ich mich wieder für meine Umgebung, fotografiere auch einen Wasserfall, den ein Regenbogen bunt färbt. Als wir den Schnee endgültig hinter uns gelassen haben und der Weg sich frei in vielen Kurven abwärts zieht, lebe ich auf. Jetzt macht das Laufen Spaß. Am Hang sieht man ein Stück vom Gleis der Flåmbahn. Wir hoffen zu sehen, wie ein Zug vorbeifährt, denn das soll natürlich gefilmt und fotografiert werden. Auf einmal ist es soweit: ein Zug rauscht vorbei und verschwindet pfeifend im Tunnel. Es ist ein blauer Zug, was Hedi enttäuscht. Ein roter hätte sich in der grün-grauen Umgebung natürlich wesentlich besser auf dem Foto gemacht! An einem schönen sonnigen Platz machen wir Mittagspause, nun schmeckt allen das Essen gut. Dann geht es weiter, vorbei an Wasserfällen, durch das herrliche Flåmtal. Die Bäume sind noch kahl, aber neben dem Weg wachsen Blumen und Gräser. Langsam kommen wir tiefer, der Weg zieht sich jetzt doch in die Länge. Rechts von ihm ist jetzt eine tiefe Schlucht, in die von den Felsen Wasserfälle stürzen. Ganz unten sieht man wieder die Gleise der Bahn. Norbert fotografiert Bernhard, als er auf einem Stein sitzt und die Beine baumeln läßt. Um 16.30 Uhr erreichen wir die Bahnstation Berekvam. Es dauert eine
Stunde, bis der nächste Zug abfährt. Der Bahnhof ist offen,
innen gibt es Holzbänke, Tische und eine Toilette. Erst fallen
wir alle einmal auf die Bänke. Hedi läßt den Kopf sinken
und schläft ein. Das macht Bernhard Spaß, er will, daß
Norbert sie fotografiert, was dieser auch macht. Dann gehen Bernhard
und Maria wieder nach draußen und schauen sich die Umgebung an.
Wir anderen bleiben im Bahnhof. Nach einiger Zeit wird Hedi wieder wach
- und kippt plötzlich ohnmächtig zur Seite! Hermann hält
sie fest, Norbert und ich rufen Bernhard und Maria. Zum Glück weiß
Maria, was zu tun ist. Nach endlos scheinenden Minuten wacht Hedi wieder
auf, ist aber noch sehr schwach und wacklig auf den Beinen. Da kommt
auch schon der Zug. Wir schultern das Gepäck, Hedi wird gestützt,
und so steigen wir ein. Während der Zugfahrt erholt sie sich zum
Glück recht schnell wieder. In Flåm angekommen, legt sie
sich im WOMO hin, wir anderen gehen noch einkaufen, und dann fahren
wir zurück zum Campingplatz, den wir um 18.30 Uhr erreichen. Bernhard
hat einen original norwegischen "blødkake" gekauft,
der uns jetzt sehr gut tut. |
Samstag, 31.05.97 Hedi und Hermann sind heute schon früh auf den Beinen, Bernhard bringt sie nach Flåm zu der Fähre, die von dort zurück nach Gudvangen fährt. Diese Fahrt durch den Nærøyfjord gehört zu den schönsten Fjordfahrten überhaupt in Norwegen. Wir anderen sind alle schon einmal durch gefahren und waren begeistert. Während Bernhard noch unterwegs ist, machen wir anderen uns auch fertig. Als er zurückkommt, frühstücken wir zusammen und räumen dann die Hütten. Leider muß ich heute dem kleinen Hüttchen mit dem Grasdach "ha det bra" sagen, aber ich werde ganz sicher irgendeinmal wieder hierher kommen. Gegen Mittag stehen wir in Gudvangen am Fähranleger und sehen die Fähre langsam näher kommen. Hermann und Hedi schwärmen von der tollen Fahrt, das Wetter ist uns auch wieder gewogen - blauer Himmel, Sonne und heute auch schön warm. Wir fahren wieder durch den langen Tunnel in Richtung Flåm, biegen dann aber gleich dahinter nach links von der Straße ab auf ein schmales Sträßchen. Es führt durch ein enges Tal mit hohen Felswänden bis zu einem winzig kleinen Ort, der Undredal heißt. Dort gibt es die kleinste Stabkirche von Norwegen zu sehen. Auf dem Weg dorthin halten wir mehrmals an, um zu filmen, zu fotografieren und uns Lawinen anzusehen, die fast bis zur Straße reichen. Bei einem dieser Stops fahren wir mit dem Golf auf einen Schotterparkplatz und wühlen diesen bei der Weiterfahrt auf. In Undredal stellen wir die Autos am Fjordufer ab und laufen die ansteigende Straße durch den Ort hinauf. Hier im Ort gibt es viele schöne Gärten an den Häusern. Die Kirche steht auf einer Anhöhe, von der man einen schönen Blick auf den Fjord und die umliegenden Berge hat. Sie ist weiß mit rotem Dach und sieht überhaupt nicht aus wie eine Stabkirche. Bernhard behauptet aber nach wie vor, daß es eine ist. Leider ist die Kirche verschlossen, wir wollen schon wieder gehen, da kommt eine Gruppe Norweger, die offensichtlich für eine Besichtigung angemeldet ist. Bernhard fragt, ob wir mit hinein gehen können, was uns erlaubt wird. Ein älterer Mann erklärt - natürlich auf norwegisch - viele Einzelheiten über die Kirche und ihre Einrichtung. Ich bin froh, ab und zu ein paar Worte zu verstehen. Die Einrichtung ist schlicht; auffallend ist, daß die Decke wie ein Himmel aussieht, blau mit goldenen Sternen. Auch die Lampe, die von der Decke hängt, sieht interessant aus: rundherum sieht man lauter Tierköpfe. Nach dem Ende der Besichtigung laufen wir wieder zum Fjord hinunter. Dort gibt es ein kleines Café mit einer Terrasse. Die Gruppe Norweger ist auch wieder da, es ist offensichtlich ein Chor, denn sie singen auf der Terrasse mehrere Lieder. Wir hören ihnen eine ganze Weile zu und fahren dann wieder die kleine Straße entlang. Plötzlich hören wir im Golf vorne rechts ein Geräusch - klack, klack, klack! Wir hören es nur ab und zu beim Fahren, nicht immer und nicht, wenn wir halten. Wir vermuten, daß bei dem Halt auf der Herfahrt ein Stück von dem Schotter in den Radkasten gelangt ist. Aber trotz aller Suche ist nichts zu finden. Mittlerweile haben Broscharts, die vor uns fahren, gemerkt, daß etwas nicht stimmt. Bernhard hält an und fährt mit Norbert zusammen ein Stück mit dem Golf. Wir anderen warten am WOMO und streicheln ein kleines Pferd, das plötzlich neben uns stand. Dabei übersehen wir fast, daß Bernhard ein Stück weiter wie verrückt winkt. Hermann fährt das WOMO zu ihm. Bernhard vermutet einen Schaden an der Antriebswelle, so daß wir beschließen, sicherheitshalber eine Werkstatt aufzusuchen. Langsam fahren wir weiter bis nach Aurlandsvangen und finden eine Tankstelle mit Werkstatt. Da es mittlerweile Samstag mittag ist, ist die Werkstatt geschlossen, der Tankwart ruft aber bei dem Mechaniker an, der auch kommt. Die Wartezeit nutzen wir zur Mittagspause und essen pølser mit Senf und Zwiebeln, die in der Tankstelle verkauft werden. Der Mechaniker macht mit Bernhard eine Probefahrt, sie kommen nach kurzer Zeit zurück, bei der Fahrt war kein Geräusch zu hören. Der Mechaniker verlangt 25 Kronen, bekommt von uns 100 - und dann fahren wir weiter. Die Straße steigt gleich wieder steil an, und es ergeben sich wahrhaft traumhafte Ausblicke auf den Aurlandsfjord. Mehrmals halten wir an, von jeder Kurve aus wird der Blick schöner. Auf dem Hang am Straßenrand blüht Löwenzahn. Hedi und ich versuchen, die Blüten als Vordergrund auf ein Foto zu bekommen. Zu diesem Zweck hole ich ein Badehandtuch aus dem Auto, lege es auf den Boden und mich darauf. Hedi muß es auch gleich so machen. Bernhard vergißt dabei fast die Aussicht und filmt uns! Nachdem auch die blühenden Obstbäume gefilmt und fotografiert sind, geht es weiter. Wir fahren nun über das Aurlandsfjell. Links und rechts der Straße erheben sich hohe Schneewände. Über uns wölbt sich ein strahlend blauer Himmel, es ist einfach herrlich. Norbert und ich fahren mit dem Golf voran und sind natürlich schneller als das WOMO. Leider dauert es gar nicht lange, da ist das Geräusch wieder da. Auf der Höhe gibt es einen Parkplatz, auf dem schon mehrere Autos stehen. Der Schnee liegt meterhoch. Während wir auf Broscharts warten, kommen wir mit ein paar Leuten ins Gespräch. Wir fragen sie, ob sie in der Nähe eine VW-Werkstatt wissen. Sie meinen, die nächste sei in Sogndal. Ein Mann erzählt uns, daß es am 28.04. hier noch einmal unheimlich viel geschneit hat, aus diesem Grund liegt jetzt - Ende Mai - der Schnee noch so hoch. Vor zwei Wochen war die Straße noch gesperrt - da hatten wir Glück, daß sie jetzt frei ist. Nachdem Broscharts auch kurz angehalten hatten, fahren wir weiter. Nach kurzer Zeit müssen wir aber schon wieder anhalten, die Schneewand neben der Straße ist neun Meter hoch, das muß natürlich festgehalten werden. Nachdem das Fjell überquert ist, fahren wir wieder auf Meereshöhe am Årdalsfjord entlang. Das Tagesziel heißt heute Øvre Årdal. Die Strecke zieht sich, es geht durch mehrere Tunnel, vorbei an Årdalstangen. Wir können mit dem Golf nur langsam fahren, das Geräusch ist nun fast dauernd zu hören und macht uns zunehmend nervöser. So wird es 19.30 Uhr bis wir endlich den Campingplatz erreichen. Leider haben wir kein Glück, alle Hütten sind belegt. Nach kurzer Beratung versuchen wir, im Ort in einem Hotel ein Zimmer zu bekommen. Aber es ist unheimlich teuer, so daß wir nach Årdalstangen zurückfahren. Auch da soll es einen Campingplatz geben. Norbert und ich fahren vor, während die anderen noch ein paar Einkäufe machen. Um 20.45 Uhr kommen wir auf dem Campingplatz an. Die Rezeption ist schon geschlossen, aber offensichtlich hat uns jemand gesehen, denn der Pächter kommt noch einmal. Auf norwegisch und englisch habe ich gerade angefangen zu reden, da kommt zum Glück Bernhard. Wir erwischen die letzte freie Hütte. Es ist eine für zwei Personen und ganz einfach eingerichtet, aber egal. Hauptsache, wir müssen nicht mehr weiterfahren. Zum Abendessen treffen wir uns alle im WOMO, denn in der Hütte
gibt es nur zwei Stühle. Heute gibt es nur den restlichen Lachs
aus Bergen und gekauften Kartoffelsalat, für eine große Kocherei
ist es zu spät und gibt es auch keinen Platz. Nach dem Abendessen
beginnt eine Diskussion über den morgigen Ausflug - wieder eine
lange und anstrengende Tour zu Fuß. Die Frage ist, ob Hedi mitgehen
kann oder nicht, schließlich steckt uns der Ohnmachtsanfall von
Flåm noch in den Knochen. Aber sie will auf keinen Fall zurückstehen,
es ist nichts zu machen. Sie und Hermann gehen schlafen, Bernhard und
Maria trinken mit uns Kaffee in der Hütte, wir sitzen noch bis
Mitternacht zusammen. |
Sonntag, 01.06.97 Um 8.00 Uhr waren alle wach. Heute wollen wir zu dem höchsten Wasserfall in Norwegen. Nach Aussage des Campingplatzpächters läuft man etwa 1 ½ Stunden bis dahin. Auf dem Weg kommt man noch an zwei anderen Wasserfällen vorbei. Das Wetter ist sonnig und warm. Bernhard reagiert entsprechend, trägt T-Shirt, Shorts und Sandalen. Nach dem Frühstück fahren wir um 10.30 Uhr zu sechst im WOMO zum Parkplatz, von dem ab die Wanderung zum Vettifoss beginnen soll. Den Golf können wir den Tag über auf dem Platz stehenlassen. Um 11.00 Uhr erreichen wir den Parkplatz. Gleich daneben stürzt der erste Wasserfall herab, der Hjellefoss. Um 11.15 Uhr laufen wir los. Hedi ist auch dabei, will aber mal sehen, wie sie sich fühlt und wie weit sie mitgehen kann. Der Weg ist gut befestigt und breit angelegt, und führt - begleitet von einem plätschernden Fluß - bergan. Immer wieder überqueren wir den Fluß auf Holz- oder Steinbrücken. Nach ca. zwei Kilometern kommen wir zum zweiten Wasserfall, dem Alvdalsfoss. Ab hier gehen Bernhard und ich den anderen voran, etwas hinter uns laufen Maria und Norbert, und den Schluß bilden Hedi und Hermann. Auch viele Norweger sind unterwegs, allerdings alle viel schneller als wir. Sie sind total auf Sommer eingestellt, einer läuft nur in der Badehose, überholt uns mit schnellem Schritt, erfrischt sich kurz an einem kleinen Wasserfällchen, das am Wegrand den Hang hinab fällt - und ist auch schon weit vor uns verschwunden. Vor und vor allem hoch über uns sehen wir jetzt mehrere Gebäude. Es ist der Hof Vettigård, der heute aber noch nicht geöffnet ist. Bernhard und ich legen an Tempo zu, keuchen an den Gebäuden vorbei und klettern gleich dahinter einen steilen Hang hinauf. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf das herrliche Tal, den rauschenden Fluß - und auf den Weg, den wir gerade heraufgelaufen sind. Maria und Norbert sind noch ein Stück von Vettigård entfernt, und Hedi und Hermann sind auch schon in Sicht. Auf den sonnengewärmten Felsen sitzt man gut. Ich finde sogar eine Mulde, in der ich sehr gut liege - und schon versinkt die ganze Welt um mich herum für die Dauer eines kleinen Nickerchens. Als ich aufwache, sind die anderen auch alle hier oben angekommen. Der Platz bietet sich direkt an für die Mittagsrast. Jetzt schmeckt das Essen gut! Danach ruhen wir uns noch etwas aus. Dann beginnt der letzte Teil des Weges zum Vettifoss.
Wir vier "Jungen" gehen gemeinsam los, Hedi und Hermann wollen noch ein wenig rasten und dann probieren, wie weit sie uns noch folgen können. Jetzt ist von einem breiten Weg keine Rede mehr. Gleich unterhalb der Felsen beginnt ein schmaler Steig, den wir hinaufklettern. Es geht über Felsen und Steine steil hinauf, um gleich darauf wieder genauso steil abwärts zu führen. Wieder sind neben dem Pfad Ketten angebracht, an die man sich klammern kann. Der Steig führt an einem Steilhang entlang, links ist immer der Abgrund. Unser Blick fällt in ein Tal mit steilen Hängen, in der Ferne schneebedeckte Berge. Tief unter uns rauscht der Fluß. Eine Hängebrücke führt hinüber. Für Maria steht fest, daß dort für sie das Ende der Wanderung erreicht ist. Sie hat für Hängebrücken so viel übrig wie ich für Schnee. Was uns wundert: Weit und breit ist von einem Wasserfall nichts zu sehen. Dabei sollte man den höchsten Wasserfall in Norwegen doch schon sehen können, ehe man ihn erreicht? Nach etlichen Klettereien sind wir am Fluß angekommen, zum Glück läuft der Pfad auf unserer Seite weiter, wir müssen nicht über die Hängebrücke. Weiter geht's, mal auf, mal ab. Der Weg führt nun über riesige Felsbrocken, es sieht aus, als habe ein riesiger Troll hier mal eben eine Menge Felsen zerschmettert. Dann öffnet sich das Tal nach rechts. Und da ist er endlich: Von einer hohen Felswand fällt der riesige Vettifoss in eine tiefe Schlucht. Es stäubt gewaltig! Mir genügt der Blick von hier aus, der Weg war anstrengend genug. Maria, Bernhard und Norbert klettern weiter und wollen versuchen, so nahe wie möglich an den Wasserfall heran zu kommen. Nach etwa einer halben Stunde kommt zunächst Maria wieder zu mir zurück, etwas später auch Norbert und Bernhard. Sie erzählen, daß der Foss in ein riesiges Schneefeld aufschlägt. Durch den Wasserstaub waren die Felsen von Eis überzogen, so daß sie nicht bis zum Wasserfall vordringen konnten. Es war auch so schon naß genug! Nach einer kurzen Pause laufen wir zurück bis zu der Hängebrücke. Bernhard kann es nicht lassen, er MUSS sie überqueren! Als er auf der anderen Seite angekommen ist, ist auch Norbert nicht zu bremsen. Er geht auch hinüber. Auf dem Rückweg werden sie fotografiert und gefilmt. Ich nähere mich auch der Hängebrücke, aber schon beim ersten Schritt auf die schwankenden Bretter verzichte ich lieber. Man soll das Schicksal nicht zu sehr herausfordern! Nach erneuter anstrengender Kletterei erreichen wir wieder den Hof Vettigård, wo nochmals eine kurze Rast eingelegt wird. Dann beginnen wir den Rückweg zum Parkplatz. Da der Weg jetzt nur noch bergab führt, kommen wir gut voran und erreichen um 17.45 Uhr wieder den Parkplatz, wo das WOMO auf uns wartet. Hedi und Hermann sind schon da und haben das Kaffeewasser aufgesetzt, so daß wir erst mal den verdienten Kaffee trinken. Von 11.15 Uhr bis 17.45 Uhr waren wir unterwegs, haben insgesamt 14 Kilometer hinter uns gebracht! Eine tolle Leistung! Allerdings haben die Norweger wohl doch eine etwas andere Zeitrechnung. Von wegen 1½ Stunden! Nachdem der Kaffee getrunken ist, fahren wir zurück zum Campingplatz und holen unser Auto. Wir wollen doch noch bis Sogndal weiterfahren, damit wir morgen früh gleich die Werkstatt aufsuchen können. Wir haben Glück und erreichen in Fodnes noch die Fähre nach Kaupanger, wo wir um 19.45 Uhr ankommen. Eine halbe Stunde später erreichen wir Sogndal. Kurz vor dem Ort mieten wir auf Kjørnes-Camping eine Hütte für vier Personen. Es wieder eine ganz tolle Hütte, mit einem schönen Wohnraum, einer neuen Einbauküche und mit Bad. Der Schlafraum hat vier Betten, je zwei übereinander. Bernhard kocht uns ein hervorragendes Essen. Nachdem die Hausarbeit getan ist, erinnern wir uns daran, daß heute ja Sonntag ist und beschließen um 23.00 Uhr den Tag mit einem Wortgottesdienst. Weil wir morgen sehr früh mit dem WOMO wegmüssen, schlafen heute Bernhard und Maria im WOMO und Hermann und Hedi mit in der Hütte. Die beiden und Norbert richten sich im Schlafzimmer ein, ich nehme das Sofa im Wohnraum, auf dem ich sehr gut liege. Gute Nacht!
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Montag, 02.06.97 Heute ist mal wieder Frühaufstehen angesagt. Bernhard und Maria trinken noch schnell eine Tasse Kaffee, und um 7.50 Uhr fahren wir schon los in die Werkstatt. Dort wird mit Bernhards Hilfe geklärt, daß der Golf heute in der Werkstatt bleibt und möglichst bis zum nächsten Tag repariert wird. Norbert und ich räumen schnell einige Sachen in eine Tüte,
dann fahren wir mit dem WOMO in die Stadt, um einzukaufen. Die Geschäfte
haben noch geschlossen, so laufen wir ein wenig herum. Nach dem Einkauf
- wir haben auch frische Brötchen besorgt - kommen wir um 10.00
Uhr zurück zum Campingplatz und frühstücken erst einmal. Die Strecke ist wunderschön, das gegenüberliegende Ufer spiegelt sich im glatten Wasser, alle paar Meter könnte man stehenbleiben, um zu fotografieren und zu filmen. Aber der gnadenlose Bernhard überhört die flehentlichen Bitten oft. Auf einem Parkplatz an einer kleinen Kirche halten wir aber doch an. Direkt gegenüber sehen wir den Feigumfoss, der stäubend in ein Schneefeld stürzt. Das Wetter ist heute wieder herrlich, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, und es ist so warm, daß wir keine Jacken brauchen. Nach kurzer Pause fahren wir weiter am Fjord entlang. Kurz vor Skjolden hält Bernhard sogar einmal freiwillig an - die Spiegelung im Fjord ist aber auch sehenswert! Hinter Skjolden beginnt eine kleine Straße, die in ca. 30 Kilometern bis zu dem Ort Ornes führt. Sie ist sehr schmal, alle paar Meter gibt es eine Ausweichstelle. Zum Glück haben wir wenig Gegenverkehr, aber Bernhard muß schon sehr aufpassen. Auf dieser Straße kommen wir direkt am Feigumfoss vorbei. Das muß natürlich ausgenutzt werden. Aber erst einmal kommen unsere Mägen zu ihrem Recht. Direkt am Fjord ist der Feigumfoss-Parkplatz, auf dem wir das WOMO abstellen. Das Mittagessen genießen wir am Ufer auf warmen Steinen sitzend. Vor uns im Wasser schwimmen kleine Fischchen, dann entdeckt jemand, daß Seesterne im Wasser sind. Die müssen natürlich gefilmt und fotografiert werden, was aber recht schwierig ist, denn die Seesterne sind im dunklen Wasser nicht sehr gut zu sehen. Viel zu schnell für mich ist die Pause beendet. Ich könnte noch stundenlang hier sitzen und die herrliche Gegend anschauen, das ist "mein" Norwegen: Ein wunderbarer Fjord, grüne Hänge, bunte Häuser und darüber ein strahlend blauer Himmel. Aber der Feigumfoss wartet auf uns, also laufen wir um 14.45 Uhr los. Erst ein Stück die Straße entlang, dann auf einem schmalen Weg über Schafweiden. Vorbei an einem rauschenden Bach geht es durch den Wald steil bergan. Nach 35 Minuten erreichen wir den Aussichtspunkt, von dem aus wir den Fall sehen können. Eine Menge Wasser stürzt sich aus über 200 Metern hinunter, man meint, das Donnern bis hierher zu hören. Dieser Platz ist sehr idyllisch, hinter einem kleinen Hang laden große Steine zum Sitzen ein. Ich beschließe, diese Einladung anzunehmen und nicht mehr weiterzugehen. Maria, Bernhard und Norbert wollen bis zum Fuß des Wasserfalls laufen und verschwinden den Abhang hinunter im Wald. Ich lasse mich auf einem Stein nieder, lehne mich an einen anderen, moosbewachsenen, an, schließe die Augen und genieße die warme Sonne, den Duft des Grases und das Summen der Insekten. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist, bis ich hinter mir auf einmal Stimmen höre: Hedi und Hermann haben sich beim Aufstieg Zeit gelassen und kommen jetzt auch beim Aussichtspunkt an. Gemeinsam warten wir auf die anderen, die schließlich, kurz nach 16.00 Uhr, wieder vom Wasserfall zurückkommen. Bevor wir zurücklaufen, fotografiert Hedi uns mit dem Feigumfoss als Hintergrund. Auf dem Rückweg wandern Maria und ich den anderen voraus und haben schon das Kaffeewasser fertig, bis sie auf dem Parkplatz ankommen. Nach einer kurzen Pause fahren wir weiter. Es gibt noch einen kurzen Stop an einem kleinen Wasserfall, in dem ein wunderschöner Regenbogen zu sehen ist. Um 17.20 Uhr halten wir in Ornes auf einem kleinen Parkplatz, von dort aus sind es noch 20 Minuten zu Fuß bis zur Stabkirche, die oberhalb des Ortes liegt. Der Weg ist asphaltiert und breit, aber sehr steil, so daß es recht anstrengend ist, bis wir oben sind. Die Stabkirche von Urnes ist die älteste Stabkirche in Norwegen. Leider können wir das Innere nicht ansehen, denn sie ist verschlossen. Aber auch von außen ist sie sehenswert. Wir umrunden sie und suchen nach dem alten Portal, das sie bekannt gemacht hat. Es zeigt verschlungene Fabeltiere, die sich gegenseitig bekämpfen. Ich laufe auf dem Weg ein Stück weiter und klettere auch noch einen Hang hinauf, bis ich hoch über der Kirche bin. Unter einem Baum setze ich mich ins Gras. Von hier aus sieht man erst, wie toll die Lage dieser Stabkirche ist: Der Blick geht weit auf den Fjord hinaus. Leider steht die Sonne genau falsch für ein Foto, erst mit dem Baum als Sonnenschutz gelingt es mir, die Kirche mit dem Fjord auf den Film zu bannen. Die anderen haben mittlerweile die Besichtigung der Kirche beendet. Norbert und Bernhard laufen zum WOMO und holen uns an der Kirche ab, dann fahren wir zum Fähranleger, um den Rückweg über den Fjord zu nehmen. Nach dem Fahrplan soll sie um 18.30 Uhr losfahren. Es bleibt uns noch Zeit, die unwahrscheinlich schönen blühenden Obstbäume zu filmen und zu fotografieren. Maria und ich posieren unter blühenden Bäumen als "Miß Apfelblüte", und Bernhard filmt und fotografiert uns. Seltsam nur, daß nach wie vor keine Fähre in Sicht kommt.
Des Rätsels Lösung finden wir, als wir den Fahrplan näher
ansehen. Geschockt müssen wir feststellen, daß die Fähre
heute nicht im Einsatz ist, sondern nur samstags und sonntags fährt!
Das haben wir heute morgen auf der anderen Seite wohl übersehen.
Leider bedeutet das, daß wir den ganzen Weg bis nach Skjolden
und auf der anderen Seite des Fjords bis nach Sogndal zurückfahren
müssen. Um 18.45 Uhr starten wir. Bernhard fährt wie ein Henker,
von einer Fotopause ist erst gar keine Rede mehr! Kurz vor 20.00 Uhr
sind wir wieder in unserer Hütte, wo sofort das Kochen beginnt.
Nach einem guten Abendessen und nachdem die Hausarbeit beendet ist,
sitzen wir noch zusammen und freuen uns über den schönen Tag,
ehe wir in die Betten fallen. Um das Umräumen zu sparen, schlafen
Bernhard und Maria auch diese Nacht im WOMO und Hermann und Hedi mit
uns in der Hütte. |
Dienstag, 03.06.97 Die Weckzeit ist heute 8.00 Uhr. Um 9.00 Uhr fahren Bernhard, Maria, Norbert und ich im WOMO zur Werkstatt, um den Golf abzuholen. Die Reparatur ist erledigt, sie haben ein Ersatzteil aus einem anderen Auto eingebaut, kein neues, denn das hätte länger gedauert. Als kleine Zusatzüberraschung fällt deshalb auch die Rechnung wesentlich geringer aus, als wir befürchtet haben. Es sind umgerechnet keine 350,- DM. Anschließend fahren wir in die Stadt zum Einkaufen. In der Bäckerei im Supermarkt gibt es nicht nur frische Brötchen, sondern auch "blødkaker", und weil wir bei der Reparatur Geld gespart haben, nehme ich einen mit für das Frühstück. Hedi und Hermann haben schon den Tisch gedeckt, so daß wir uns gleich niederlassen. Dann sitzen wir alle außer Bernhard da, vor uns die Brötchen und die anderen guten Sachen - und warten. Und warten ... Nach etlichen Minuten geht Hermann nachsehen, wo Bernhard bleibt - und kommt schreckensbleich zurück. Bernhard wollte Wasser auffüllen und Abwasser loswerden, fuhr deshalb mit dem WOMO zum Sanitärgebäude und rutschte im nassen Gras auf dem abschüssigen Gelände weg! Nun hängt das WOMO schief am Hang und kann jeden Moment umfallen! Wir stürzen mit Hermann aus der Hütte und jagen zum WOMO. Alle stemmen sich gegen die Seite, um das Umfallen zu verhindern. Aber wir merken sofort, daß wir es allein nicht schaffen werden, wieder auf den Weg zu kommen. Der Campingplatzpächter kommt mit einem Traktor und Ketten. Ein junger Norweger setzt sich ans Steuer des WOMO. Hermann, Bernhard, Norbert und ein paar Motorradfahrer aus Deutschland, die auch hier übernachten, drücken und schieben, der Traktor zieht - und gemeinsam schaffen sie es. Gott sei Dank, das WOMO steht wieder gerade! Das war ein gewaltiger Schreck in der Morgenstunde! Bernhard hat jetzt eine Dusche dringend nötig, dann setzen wir uns alle Mann hoch zum Frühstück hin. Danach wird das WOMO gesäubert, und bis wir alles eingeräumt und die Hütte saubergemacht haben, ist es 12.00 Uhr. Nach einem Einkauf in Sogndal fahren wir um 12.45 Uhr los. Zuerst wieder am Lustrafjord entlang bis Skjolden. Die Strecke kennen wir jetzt ja schon, die Spiegelung im Fjord ist auch heute wieder wunderschön. Gleich hinter Skjolden steigt die Straße steil an und windet sich in vielen Kurven nach oben. Schon bald liegt der Fjord tief unter uns, die Aussicht ist grandios. Norbert und ich fahren wieder voran und sind natürlich schneller als Broscharts. Auf einem Parkplatz neben der Straße halten wir an, um auf die anderen zu warten. Eine kleine Schafherde trabt herbei und will etwas zu fressen haben. Dann nähert sich das WOMO, gemeinsam fahren wir weiter. Die Straße windet sich höher und höher. Längst ist wieder Schnee rechts und links zu sehen. Schilder zeigen an, wie hoch wir kommen: 1100 Meter ... 1200 Meter ... 1300 Meter... Hohe Schneewände säumen die Strecke. Der Himmel ist tiefblau, die Sonne strahlt. Obwohl wir so hoch im Fjell sind, ist es warm. Norbert macht ein Foto von mir, wie ich in Shorts und T-Shirt neben einer Schneewand stehe. Um 15.45 Uhr halten wir an einem Parkplatz, um Mittagspause zu machen. Auf der anderen Straßenseite sehen wir einen Tisch und Bänke, die uns einladen, im Freien zu essen. Nach einigen Problemen, die vereiste Böschung hinauf zu kommen, sitzen wir zu sechst um den Tisch und genießen unser Essen. Der Ausblick ist überwältigend, rings um uns schneebedeckte Berge, zugefrorene Seen, in der Ferne erkennt man die "Riesen", die nach der Sage hier in Jotunheimen wohnen. Und über allem ein strahlendblauer Himmel und Sonnenschein - ein Tag wie gemalt. Nach einer Dreiviertelstunde fahren wir weiter, Norbert und ich wieder vorneweg. Nach kurzer Zeit erreichen wir den höchsten Punkt der Straße. Es ist gleichzeitig die höchste Stelle, die man in Norwegen per Auto erreichen kann: 1434 Meter hoch. Norbert und ich klettern auf den Felsen mit dem Schild, ein ebenfalls dort parkender Motorradfahrer fotografiert uns dort. Während wir noch damit beschäftigt sind, kommen auch Broscharts an. Sie halten aber gar nicht, sondern Hedi fotografiert uns aus dem Fenster - und schon fährt das WOMO weiter. Hat Bernhard nicht gesehen, daß das der höchste Punkt war? Egal, wir fahren hinterher. Nach einer halben Stunde halten wir an einem Punkt, den Maria und Bernhard von ihrer letzten Reise her in Erinnerung haben. Hier sollen zwei Wasserfälle zu sehen sein. Nach einiger Suche entdecken wir, daß die Wasserfälle noch zu ¾ zugefroren sind, nur kleine Flächen mit Wasser sind zu sehen. Die Weiterfahrt - jetzt natürlich immer bergab - läßt uns wieder den Übergang von Winter zu Frühling erleben. Der Schnee wird weniger, die Seen tauen auf, die ersten Bäume mit kleinen Blättern an den Zweigen tauchen auf. Wir fahren durch ein breites Tal. Links neben der Straße liegt Elveseter, ein Hotel in einer schönen Anlage. Wir halten kurz an und sehen uns die Sagasäule an. Kurz vor 18.00 Uhr erreichen wir Lom und halten an dem Parkplatz an der Stabkirche. Sie liegt inmitten eines kleinen Friedhofs, von Birken umstanden. Die Anlage ist wohl vor kurzem neu angelegt worden, dabei ist leider auch der lilablühende Flieder, der in einer Ecke der Kirche stand, entfernt worden. Schade, der hat mir immer gut gefallen. Hermann und Hedi waren noch nicht hier und sehen sich die Kirche an. Norbert und ich gehen nach kurzer Zeit ein Stück die Straße entlang und kommen zu einer Holzbrücke, die über die rauschende Otta führt. Wir gehen ein wenig spazieren und gönnen uns ein Eis. Darauf haben die anderen auch Appetit, und bald lutscht jeder an einem Eis. Um 18.30 Uhr verlassen wir Lom wieder, diesmal auf der Straße 15 nach Westen. Unser Ziel ist der Campingplatz Dønfoss bru, den wir kurz nach 19.00 Uhr erreichen. Es ist ein neu angelegter Platz in einer herrlichen Gegend. Zwischen
hohen Nadelbäumen stehen die Hütten verstreut. Wir mieten
eine ganz tolle Hütte: ein schöner Wohnraum mit Sitzecke und
Eßplatz, eine Einbauküche aus Holz, mit Mikrowelle, zwei
schöne Schlafräume und ein großes Bad mit Dusche. Das
Dach ist mit Gras bewachsen. Das Schönste ist die Terrasse mit
einer Sitzgruppe aus Holz, gebaut in dem Stil, in dem auch die Hütten
gebaut sind.
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Mittwoch, 04.06.97 Norbert und ich haben heute länger geschlafen und kommen erst recht spät am Vormittag aus unserem Zimmer. Auch die anderen sind noch nicht viel weiter, und so treffen wir uns erst zu einer Zeit zum Frühstück, zu der wir sonst schon zur Abfahrt fertig sind. Maria hat den Tisch auf der Terrasse gedeckt, denn es ist schön warm draußen. Von 11.00 Uhr bis 12.00 Uhr sitzen wir in der Sonne und genießen es, Urlaub zu haben. Dann werden die Pläne für den Tag gemacht. Bernhard und Maria wollen allein zu zweit ein bißchen wandern, Hedi bleibt in der Hütte, und wir wollen nach Lom fahren und einkaufen. Norberts Sonnenbrille ist kaputt, wir müssen sehen, ob wir eine neue finden, denn er braucht sie beim Fahren. Da Hermann auch nach Lom möchte, nehmen wir zu dritt das WOMO, denn im Golf ist ja die Rückbank ausgebaut und zu Hause geblieben. Um 12.30 Uhr fahren wir los. Bis Lom sind es etwa 30 Kilometer. Wir parken auf dem Parkplatz in der Mitte des Ortes. Hier gibt es etliche Geschäfte. In einem Supermarkt finden wir eine Sonnenbrille und kaufen auch noch ein paar andere Dinge ein. Ich nehme einen Apfelkuchen für das heutige Kaffeetrinken mit. Die Post ist auf der anderen Seite des Parkplatzes, also besorge ich noch Briefmarken und eine neue Telefonkarte. Von der Telefonzelle aus rufe ich auch gleich zu Hause an, melde, daß alles bei uns in Ordnung ist und höre das Gleiche von dort. Auf einer Bank sitzend genießen wir noch ein Eis und fahren dann zurück zum Campingplatz. Dort angekommen, finden wir Hedi auf einem Stuhl sitzend, den Fuß mit einem nassen Handtuch umwickelt. Sie wollte auf die Terrasse gehen, hat wohl die Schwelle übersehen und ist gestolpert und umgeknickt. Nun ist der Fuß dick angeschwollen, hoffentlich ist es nur eine Verstauchung! Gegen 16.00 Uhr kommen Maria und Bernhard zurück von ihrer "kleinen Wanderung". Nach ihren Berichten war es wohl eher eine Erlebnistour! Der Apfelkuchen kommt als Überraschung sehr gut an. Zum Abendessen soll es heute Tortellinisalat geben, das heißt, daß Bernhard ausnahmsweise einmal frei hat. Er nutzt die Zeit aus, um für Maria und mich ein Armband aus Birkenrinde zu schnitzen. Ich kümmere mich unterdessen um den Salat. Das Abendessen findet heute schon um 19.00 Uhr statt, was besonders Hermann freut. Denn das ist seine normale Abendessenszeit, und er wußte noch gar nicht, daß man auch in Norwegen schon um diese Zeit essen kann. Am Abend machen Norbert und ich mit Bernhard und Maria einen Spaziergang. Wir sehen uns das Gelände des Campingplatzes an und die geniale Konstruktion, mit der das Wasser für das Schwimmbecken durch schwarze Schläuche geleitet wird, damit es sich erwärmt. Etwas außerhalb des Platzes rauscht die Otta vorbei, wild schäumend und reißend bildet sie den Dønfoss. Um diesen besser zu sehen, springt Bernhard von Fels zu Fels, ungeachtet dessen, daß unter ihm das Wasser tobt. Natürlich muß Norbert hinterher! Mir wird ganz schlecht, und ich kann nur noch Marias Rat hören: "Guck nicht hin, ich mache es auch nicht". Aber sie erreichen zum Glück ohne Probleme wieder festen Boden. Über das Platzgelände laufen wir zurück zur Hütte, vorbei an einem Spielplatz. Dort muß Bernhard noch das Trampolin ausprobieren, was zu Lachsalven Anlaß gibt. Wir kommen an einem kleinen Teich vorbei. Rings herum stehen Bäume, die sich wunderbar im Wasser spiegeln. Die Sonne steht mittlerweile schon recht tief am Himmel und färbt die Berge rosa, was sich auch im Wasser spiegelt. Gegen den hellen Hintergrund wirken die Bäume schwarz. Es sieht traumhaft aus. Bernhard sprintet zur Hütte, um den Fotoapparat und die Kamera zu holen, ich hatte meine sowieso dabei. Dann laufen wir rund um den Teich, von jeder Seite ergeben sich herrliche Ausblicke. Fotos und Kameras laufen heiß, um die phantastische Abendstimmung festzuhalten. Erst als die Sonne untergegangen ist, kehren wir zur Hütte zurück und gehen zu Bett.
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