Mitgliederbericht
 

Ort: Norwegen, Schweden

Zeit: 28.6.-02.8.2000

Autor:

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Fjord-Norwegen 2000
 
in das Land der Fjorde und Fjelle

Ein ganz privater Reisebericht, Teil II

Mittwoch, 12.7. / Donnerstag, 13.7.

Am Mittwoch geht es weiter entlang des Sognefjordes die 55 Richtung Høyanger. Unser Ziel für heute ist Briksdal. Bei Vadheim verlassen wir das Sognefjord und nehmen die E39 Richtung Førde. Auf der Fahrt regnet es die ganze Zeit mit nur kurzen Unterbrechungen. Gegen 16.00 Uhr kommen wir auf Gryta Camping an. Der Platz ist 1996 von den Norwegern zum Platz des Jahres gewählt worden. Na, er ist schön, liegt direkt am See 10 km vor dem Gletscher und die Preise normal. Von hier aus kann man die untere Zunge des Gletscher sehen. Oberhalb des Platzes sieht man ebenfalls das Eis und vom Campingplatzbetreiber erfahren wir, das die Eisdecke hier etwa 40m dick ist.
 
Briksdalsbree

Nach dem Frühstück schauen wir uns am Donerstag den Gletscher etwas näher an. Wir fahren mit den Rollern bis zum Briksdal Busparkplatz. Für die Wandertour zum Gletscher ist uns das Wetter zu unbestimmt, es nieselt und es ist diesig. Die Farbe des Gletschers ist unwirklich. Grünblau schimmert das Eis. Man muss es einfach live gesehen haben. Es ist unbeschreiblich schön. Nach vielen Bildern fahren wir zum Campingplatz zurück.
In der anderen Richtung sind es 10 km nach Olden und dorthin fahren wir dann noch - ein wenig bummeln, am Fjord langgehen.

Freitag, 14.7. / Samstag, 15.7.

Nachdem wir den ganzen Freitag vergammelt haben, geht es am Samstag weiter. Wir trennen uns von Peter und Marlene. Die beiden möchten die Tour über den Dalsnibba zum Geiranger wegen der überbelasteten Bremsen aus Sicherheitsgründen nicht mitmachen. Wir fahren die 60 erst Richtung Stryn folgen der 15 nach Otta und biegen dann auf die Strecke 63 Richtung Geiranger ab. Nach der Fahrt entlang des Djupvatnet biegen wir ab, zahlen wir unsere 45:-- NOK Maut und machen den Abstecher hoch zum 1476 m hohen Aussichtspunkt Dalsnibba. AAAber, wir fahren in die Wolkendecke rein und sehen leider gar nichts, noch nicht einmal von einem Ende des Platzes das andere Ende. Na ja, kann halt passieren.
Wir fahren weiter die Straße nach Geiranger hinunter und sehen dann von oben als wir wieder aus den Wolken herauskommen, ein schönes Passagierschiff. Im Fjord liegt die P&O “Orania”.

Geiranger mit P&O Orania

Wir stellen uns auf dem Campingplatz in Geiranger und bekommen von einem freundlichen deutschen Rentner 3 große Seelachse, die er frisch im Fjord gefangen hat. Er hat sich seinen 5 PS Außenborder mitgebracht und ein Boot hier gemietet. Wir revanchieren uns mit einem Fläschchen Rotwein.

Sonntag, 16.7. / Montag, 17.7.

Am Sonntag wollen Peter & Marlene von Hellesylt mit der Fähre nach Geiranger rüberkommen und mit uns gemeinsam, mitsammt Balu, zurück. Die Tour ist sehenswert - vorbei an den “Sieben Schwestern” dem “Freier” und vielen anderen Wasserfällen und verlassenen Bauernhöfen, die früher unter schwersten Bedingungen betrieben wurden. Einige konnte man nur mit Leitern erreichen, die eingezogen wurden, wenn der Steuereintreiber kam :-)). Nach etwa 55 Minuten legen wir in Hellesylt an und entschließen uns hier den Rest des Tages zu verbringen. Vom Ufer aus angeln wir uns noch das Abendessen zusammen und auch noch einen kleinen Vorrat. Abends feiern wir dann unser “Bergfest”, die Hälfte des Urlaubs ist leider rum.
Aus meinem Fenster am Bett schaue ich am Montag Morgen direkt auf einen Ozeandampfer. Direkt vor uns steht die britische “Caronia”. Ein toller Anblick, ein solch großes Schiff in einem Fjord direkt vor der Nase.
Nach dem Frühstück fahren wir weiter Richtung Ålesund (sprich Olesünd, mit weichem ü). Zur Mittagszeit setzen wir von Örseneset über nach Magerholm und stehen kurz darauf auf dem Stellplatz an der Hafenmauer. Es ist ein betonierter Parkplatz; für eine Nacht ausreichend. Er kostet 90:-- NOK für 24h und hat ein Toilettenhaus und Duschen dabei. Er ist dicht bei der Innenstadt gelegen und Stadtbummel sind deshalb von hier ideal. Einen weiteren Pluspunkt sammelt der Platz weil man von hier aus die Hurtigrutenschiffe sieht wenn sie anlegen. Wir sehen in diesen 1 1/2 Tagen die “Lofoten” (Bj: 1964) und die “Nordlys” (Bj: 1994); zwei Welten treffen aufeinander, das zweitälteste und eins der modernsten Schiffe der Hurtigrute.

Die Lofoten gegen Mitternacht

Direkt vor unser liegt eine “Millionärsyacht”, die ASTARTE. So ein richtig dicker Pott für gutbetuchte. Sieht aber schick aus.!! Die beiden “Beiboote” nennen andere schon wieder Yacht....
Abends erreiche ich noch Edith - eine Bekannte aus dem Internet, die ein Haus auf Averøya hat. Wir verabreden uns für den übernächsten Tag.

Dienstag, 18.7.

 
Seehund in freier Natur

Am Dienstag besuchen wir kurz entschlossen das Aquarium von Ålesund. Bevor hineingehen machen wir noch einen kleinen spaziergang mit Niko und entdeckem am Strand einen Seehund. Der ist so zutraulich, das ich ihm den Bauch kraulen kann und er dazu sogar immer wieder auffordert. Der hat sich die Menschen hier wohl gut erzogen. Wir fragen noch im Aquarium nach ob er wohl ausgerissen wäre, aber er lebt hier tatsächlich frei(willig). Die tollen großen Knopfaugen sind einfach faszinierend. Und dieses herrliche Fell streicheln macht auch einen riesenspaß.
Das Aquarium ist auf jeden Fall sehenswert. Hier wird einem das größte skandinavische Wasserbecken präsentiert; mit über 4 Mio Liter Seewasser. Das Glas ist fast 30 cm dick.
Dann machen wir uns auf den Weg nach Molde. Mit der Fähre von Vetras setzen wir dahin über und stellen uns auf einen Parkplatz an den Yachthafen. Auch hier können wir vom Ufer aus Angeln und sichern uns so unser Abendessen.

Mittwoch, 19.7. / Donnerstag, 20.7.

Edith wartet auf uns; deshalb machen wir uns auf der 64 (Maut hinter Molde) über die Atlanterhavsvegen auf nach Averøya. Seit 1999 gibt es hier keine Maut mehr. Die Strecke ist ganz toll. Über mehrere Brücken springt man von Insel zu Insel. Wir diskutieren wie das wohl bei Sturm funktioniert? Na, Marlene möchte an dieser Stelle lieber nicht weiterdiskutieren. ;-)

Die Atlantikroute

Wie Edith beschrieben hat, liegt das Haus in der Nähe von Bruhagen auf einem Hügel - mit Blick aufs Meer, so der Traum eines jeden Urlaubers (der nicht mit dem Wohnmobil unterwegs ist). Über das Kvernesfjord kann man die Fähre Bremsnes - Kristiansund sehen oder auch teilweise die Hurtigruten-Schiffe. Ediths Mann Walter kommt gerade mit den Freunden Roswitha und Norbert mit dem Angelboot “Tuk-Tuk” vom Angeln zurück. Die Ausbeute ist leider recht mager. Abends sitzen wir bei Fischsuppe und Würstchen zusammen und obwohl wir uns erst wenige Stunden kennen verstehen wir uns prima. Etwas später kommen dann noch norwegische Freunde von Edith dazu und wir fühlen uns wie in einer großen Familie - echt super. So werden aus Bekanntschaften Freundschaften.

Am Donnerstag versucht Edith für uns eine Angeltour bei Emil zu organisieren. Emil? Dem gehört fast der ganze Ort und ist 72 Jahre rüstig. Er ist der “Chef” von Røsand und fährt mit uns wirklich Mittags raus. Er hat ein etwa 9 m langes Boot mit über 200 PS und fährt die auch aus. Das macht richtig Spaß. Mit dem Echolot findet er einige Stellen und der Erfolg läßt sich sehen, innerhalb von 3 Stunden haben wir mit Durchschnittlich 4 Ruten im Wasser 144 Seelachse, 5 Dorsche (davon einer mit 22 einer mit 16 Pfund), 1 Makrele und einen Rotbarsch im Boot. Na, Roswitha und Norbert haben dafür aber auch fleißig “geopfert”. Irgendwie ist denen der Seegang auf den Magen geschlagen. Nachdem wir zurück sind müssen wir noch etwa 2 1/2 Stunden filetieren; ohne fleiß keinen Preis halt. Übrig bleibt eine ganze Fischkiste voll Filet. Einfach super.
Als Edith dann Emil fragt was er als “Aufwandsentschädigung” bekommt, schmeißt er sie fast vom Boot - norwegische Mentalität - Freunde halt!!!
Für uns alle zur Belohnung gibt es Abends eine frische Paella. Nachdem dann die Filets alle gesäubert und verpackt sind, kommen wir gegen 2.30 Uhr ins Bett.

Freitag, 21.7.

Da Edith mit ihren Freunden heute ein großes Fest für ihre norwegischen Nachbarn gibt machen wir uns nach dem Frühstück am Freitag auf den Weg. Wir fahren die Atlantikroute zurück. Beim Flughafen von Molde wechseln wir auf die 64 Richtung Åndalsnes. Während Peter & Marlene dann den Trollveg durch das Romsdalen Richtung Dombås fahren, nehmen wir den Abzweig Richtung Trollstigen. Das Wetter ist so herrlich, absolut wolkenlos, das wir es noch einmal versuchen wollen, sowohl an den Trollstigen als auch auf dem Dalsnibba den Ausblick zu geniessen. Durch das Isterdalen geht es vorbei an Bergen mit wohlklingenden Namen wie Kongen (König), Dronningen (Königinn) und Bispen (Bischoff). Der höchste ist der Trolltind mit 1788 m.ü.N. Schon von weitem erkennt man den Stigfossen der sich hier mitten durch den Stigen in die Tiefe stürzt. Die Trollstigen wurden am 31. Juli 1936 nach einer Bauzeit von 8 Jahren von seiner Majästät König Haakon VII eröffnet. Vom Parkplatz auf der Passhöhe kann man in wenigen Minuten eine Besucherplattform erreichen, um auch von oben den grandiosen Anblick zu geniessen. Alleine ist man hier allerdings leider nicht. Über 11 Serpentinen kann man die Stigen mit dem Auto auf der Bergseite bis zur Passhöhe Stigrøra befahren. Für Fahrzeuge über 13m ist die Straße allerdings gesperrt; man würde auch einige Kurven mit einem längeren Fahrzeug nicht mehr schaffen. Mit Wohnanhängern wird die Straße auch ganz sicher zum "Erlebnis". Die Steigung von 9% und die enge Fahrspur macht große Rücksichtsnahme auf den Gegenverkehr absolut notwendig. Die Trollstigen sind im Winter gesperrt.

Trollstigen mit Stigfossen

Von hier aus geht es dann weiter durch das Meiendalen Richtung Valldal um dann mit der Fähre Linge - Eidsdal über das Norddalsfjord zu kommen. Das Tagesziel ist es auf dem Dalsnibba zu übernachten. Also gehts Richtung Geiranger. Wir fahren die Ørneveien (Adlerstraße) mit ihren 10% Gefälle hinunter und machen zwischendrin einen kurzen Halt um die Sieben Schwestern von oben zu sehen. wirklich toll. Rechter Hand die Schwestern, unter uns Geiranger und im Hintergrund den Dalsnibba. Und da wollen wir ja hin - also los. Wir fahren das letzte kleine Stück um zum Aussichtspunkt zu kommen. Mittlerweile haben wir ja Übung und nehmen die Serpentinen mit einer Steigung von 12% mit Leichtigkeit.
Oben auf dem Platz stehen neben vielen Pkws schon einige Wohnmobile die hier wohl auch übernachten wollen. Bei herrlichen 17 Grad um 20.30 Uhr Abends sitzen wir noch draussen. Wir stellen uns dazu und wenn man den Himmel so sieht... na ich prophezeie einen schönen Sonnenuntergang. 
Abendstimmung auf dem Dalsnibba

Aber was dann kommt übertrifft alles. Wir erleben den schönsten Sonnenuntergang unseres Lebens und haben sicher schon einige tolle Abendhimmel hinter uns. An diesem Abend kommt keiner auf dem Dalsnibba früh ins Bett. Wir fotografieren an diesem Abend insgesamt 3 Filme voll; nur mit diesem Sonnenuntergang. Einfach unbeschreiblich. Eine Stimmung schöner als die Andere.
Ob Peter & Marlene die andere Strecke genommen hätten wenn sie das gewußt hätten?

Samstag, 22.7. / Sonntag, 23.7.

Am Morgen brechen wir nach dem Frühstück auf und nehmen die Strecke durch das Ottadalen (E15) vorbei am Ottavatn nach, wie könnte es jetzt anders sein, Otta. Hier treffen wir wieder mit Peter & Marlene zusammen und fahren nach Lillehammer. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Sportstätte der Olympiade übernachten wir ca. 30 km nach Lillehammer auf einem abgelegenen Parkplatz an der E6. Die Sonne brennt dermassen, das wir uns freuen ins eiskalte Wasser des Sees zu springen.

Sonntag wollen wir dann wieder zu unserem mittlerweile Stammcampingplatz nach Rörviks Camping bei Hamburgsund. An der Grenze bei Horten lösen wir noch unsere TaxFree Checks ein und fahren die Schärenküste Schwedens entlang. Aber dann kommt die große Ernüchterung. Sowohl Rörvik als auch die Campingplätze bei Kungshamn sind alle wegen der Ferien total voll. So entschließen wir uns in Göteborg auf dem Platz Liseberg Kärralund anzurufen - auch der ist voll aber wir bekommen den Hinweis, das auf Liseberg Dalsjön noch Plätze frei sind. Wir lassen uns zwei reservieren und fahren dann bis Göteborg durch.
Der Platz liegt in der Nähe des Delsjön (jön=See) und wir vergammeln hier eine Woche mit Stadtbummeln, Pilze suchen, schwimmen gehen und sonnenbaden. Noch einmal richtig Entspannung.

Montag, 24.7. - Mittwoch 02.8.

Einen Tag vor unserer Abreise passierts dann... auf dem Weg in die Stadt werde ich im Kreisverkehr von einem unaufmerksamen schwedischen Autofahrer umgenietet. Dank guter Kleidung passiert mir nichts, und beim neuen Roller sieht es auch gar nicht so schlimm aus (erst zuhause beim Kostenvoranschlag soll ich erfahren das es ein Totalschaden ist). Der Unfall wird von der Polizei aufgenommen und bis Ende November soll ich immer noch kein Geld von der Volvo Versicherung des Unfallgegners gesehen haben und das trotz eines Anwalts den ich mir in Göteborg genommen habe.
Am Dienstag den 01.08. gehts es dann auf die Fähre Göteborg - Frederikshavn. Wie gewohnt legt die Jutlandica der Stena Line pünktlichst ab und in Dänemark auch superpünktlich an. Wir tanken in Dänemark richtig voll, verabschieden uns gegen 19:30 von Peter & Marlene und wollen noch bis hinter den Elbtunnel, damit wir morgen dort nicht in einen Stau geraten. Gegen Mitternacht passieren wir die Grenze und nach 3 vollen Autobahnparkplätzen gelingt es uns in strömenden Regen auf dem Rastplatz Brunnatal endlich gegen 2 Uhr einen Platz zum Übernachten zu finden.
Nach dem Frühstück bringen wir dann das letzte Stück hinter uns und

freuen uns jetzt schon auf den nächsten Norwegenurlaub!