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Der Pilz des Monats April 2003

- Kahler Krempling -
- Paxillus involutus (Batsch) Fr. -
- Norwegisch: Vanlig pluggsopp -
- tödlich giftiger Pilz -
Allgemeine Beschreibung:
Gattungszuordnung
Der Kahle Krempling ist einzuordnen in die
- Klasse der Ständerpilze (Basidiomycetes)
- Ordnung der Röhrlingsverwandten (Boletales)
- Familie der Kremplingsartigen (Paxillaceae)
- Gattung der Kremplinge (Paxillus)
Der Kahle Krempling in der Literatur
Weitere Literatur zur Bestimmung von Pilzen ist auf unserer Literaturseite aufgeführt.
Beschreibung der Art:
Hut 5 - 20 cm breit, Rand gern etwas gefurcht und wie eine Krempe eingerollt und sehr lange so bleibend, jung flaumig behaart (oft nur noch an der eingerollten Krempe erkennbar), dann jedoch rasch verkahlend, Oberfläche feucht leicht schmierig, trocken matt glänzend, gelbbraune bis rostockerbraune Hutfarben.
Lamellen gedrängt, am Stiel herablaufend wie bei einem Trichterling, oft gegabelt, jung gelblich später bei Sporenreife gelbbraun bis rostbraun, Lamellen lassen sich sehr leicht und ohne Verletzung des Hutfleisches ablösen.
Stiel 5-8-(10) cm lang und bis 2-3 cm breit, keulig bis zylindrisch, vollfleischig, oft verbogen, hell gelbbraun mit feinem leicht vergänglichem Flaum oftmals nur wie bereift wirkend.
Hut, Lamellen und Stiel verfärben sich schon bei leichtem Druck dunkelbraun.
Fleisch, weich, saftig und blassgelblich
Geruch und Geschmack angenehm mild säuerlich, Spp rostbraun.
Vorkommen:
Der Kahle Krempling erscheint in der Zeit von Juli bis November und ist in ganz Europa beheimatet. Als Mykhorrizapartner (Symbiosepartner) auch auf extremen Standorten ist er ein wertvoller Partner der Bäume, sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern. Er ist auch in Parks und in Gärten anzutreffen und sollte dort auch geduldet werden, da er weder den Boden noch irgendwelche Pflanzen schädigt oder am Wachstum hemmt, sondern ganz im Gegenteil, die Bäume mit denen er in der Symbiose vereint ist, wachsen besser und sind besser gegen Krankheiten, Viren und Bakterien geschützt.
Verwechslungen:
Der Kahle Krempling kann mit allen seinen Verwandten, wie dem jung essbaren Samtfußkrempling, oder dem giftigen Erlenkrempling, Paxillus filamentosus,
Nrwegisch: Orepluggsopp, verwechselt werden.
Der Samtfußkrempling, Paxillus atrotomentosus, norwegisch: Fløyelspluggsopp
hat aber einen dicken, samtartigen, schwarzbraunen und zu den hellgelben Lamellen hin farblich scharf abgegrenzten Stiel, einen bis 30 cm breiten, dunkelbraunen bis rotbraunen samtigen lange eingekrempten Hut und wächst einzeln oder gesellig an morschen Nadelbaumstümpfen oder an den dazugehörigen Wurzeln. Er gehört also in die lange Reihe saprophytisch (von toter Materie) lebender Pilzarten. Ganz jung ist er essbar und gut, mit würzig säuerlichem, im Alter aber rasch bitterlichem Geschmack.

- Samtfußkrempling -
- Paxillus atrotomentosus -
- Norwegisch: - Fløyelspluggsopp -
- mäßiger Speisepilz -
Der Erlenkrempling hingegen ist ein wertvoller Mykhorrizapartner der Erle (Alnus) und kommt hauptsächlich in feuchten Gebieten, wie Auwäldern und Erlenbrüchen sowie in der Nähe von Seen und Bächen vor. Er ist mit höchstens 15 cm Hutbreite der kleinste der drei Arten mit ockerolivbraunen Farben, oft mit rissiger geschuppt wirkender Huthaut, wo darunter das gelbliche Hutfleisch durchschimmert. Der Rand ist kaum und nicht sehr lange eingerollt. Die Lamellen sind eher blass- bis olivgelb und häufig gegabelt; der Stiel ist bis 5 cm hoch und zur Basis hin verjüngt bis zuspitzend.

- Erlenkrempling -
Paxillus filamentosus
Norwegisch: - Orepluggsopp -
- giftig -
Die Gattung der Kremplinge besteht in Europa nur aus vier Arten, wobei die vierte Art, der gemeine Muschelkrempling, Tapinella panuoides, Norwegisch: Huspluggsopp den oben beschriebenen Arten sehr unähnlich ist. Er wächst konsolen- bis dachziegelartig eher einem Seitling (siehe z. B. Austernseitling) ähnelnd an Nadelholzstümpfen und ist kein Speisepilz, allerdings auch kein Verwechslungspartner für eine der oben aufgeführten drei Arten. Er wurde hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Wichtig: Die Kremplinge gehören zusammen mit den Afterleistlingen und den Schmierlingen/Gelbfüßen zu den Pilzgattungen, die das evolutionäre Übergangsstadium vom erheblich älteren/fossileren Röhrlingsstadium hin zum modernen Lamellen-/Blätterpilz darstellen; denn obwohl bei all diesen röhrlingsverwandten Pilzgattungen schon eindeutig Lamellen vorhanden sind, können diese Lamellen immer noch wie die Röhren bei den echten Röhrlingen leicht vom Hutfleisch abgelöst werden. Dies ist bei den echten Lamellen- oder Blätterpilzen nicht mehr möglich.
Und das ist der Grund, weshalb die Kremplinge und Co. von der Wissenschaft in die Ordnung der Boletales, also der Röhrlingsartigen eingeordnet wurden.
Verwertung:
Der Kahle Krempling ist roh oder ungenügend gekocht stark magen-darm-giftig und kann bereits in dieser Phase bei gesundheitlich angeschlagenen Menschen zum Tod führen. Jedoch ist auch der Genuss gewissenhaft abgekochter Pilze nur als "Russisch Roulett", also als Spiel mit dem Tod zu bezeichnen, denn beim Genuss des kahlen Kremplings werden Giftstoffe im Körper eingelagert und nicht wieder abgebaut.
Jede neue Mahlzeit erhöht dabei die Giftkonzentration im Körper und so kann es, oft erst nach Jahren, sobald das Gift die letale (tödliche) Konzentration erreicht hat, zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion kommen. Die dabei entstehende Hämolyse (Zersetzung der roten Blutkörperchen) kann dann ebenfalls zum Tod führen.
Das tückische an dieser Art von Vergiftung ist, dass niemand weiß oder einschätzen kann, wann bei ihm selbst die letale, tödliche Menge an Giftstoffen im Körper angesammelt ist - zumal wohl je nach körperlicher Verfassung unterschiedlich hohe Giftmengen zum Ausbruch der Hämolyse führen können.
Und oftmals denkt man dann auch gar nicht mehr an all die vielen, lange zurückliegenden Pilzmahlzeiten, die jetzt zur Ursache der einsetzenden Blutzerstörung geworden sind.
Besonderer Tipp für Nordlandreisende:
Der Kahle Krempling und seine zwei ihm nahestehenden Verwandten, der Samtfuß-Krempling und der Erlen-Krempling, kommen auch in ganz Skandinavien vor und sind nirgendwo selten.
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