Der Pilz des Monats Juni 2002


Hexenröhrling

- Flockenstieliger Hexenröhrling -
- Boletus erythropus (Fr.:Fr.)Krbh. (B. luridiformis) -
- Norwegisch: Blodrørsopp -
- Sehr guter Speisepilz -

Hexenröhrling

- Flockenstieliger Hexenröhrling -
- Boletus erythropus (Fr.:Fr.)Krbh. (B. luridiformis) -
- Norwegisch: Blodrørsopp -
- Sehr guter Speisepilz -


Gattungszuordnung

Der Flockenstielige Hexenröhrling ist einzuordnen in die

- Klasse der Ständerpilze (Basidiomycetes)
- Ordnung der Röhrlingsverwandten (Boletales)
- Familie der Röhrlingsartigen (Boletaceae)
- Gattung der Dickröhrlinge (Boletus)


Der Pilz des Monats in der Literatur

Titel Autor Seite
- Der große BLV-Pilzführer Ewald Gerhardt 468
- Der große Kosmos-Pilzführer Hans E. Laux 72
- Sopp i Norden og Europa Bo Nylén / Per Marstad 159
- 1200 Pilze Rose Marie Dähnke 58
- Svampar / Pilze Rymann / Holmåsen 220

Weitere Literatur zur Bestimmung von Pilzen ist auf unserer Literaturseite aufgeführt.



Beschreibung der Art

Hut 5-20 cm, dunkelbraun, wildlederartig bis samtig; im Alter jedoch kahl und feucht, auch fettig glänzend, mit hellem, fast gelbem Huträndchen.
Röhren 1-3 cm breit, auf ganzer Länge gelb, jedoch mit roten, engen, rundlichen Röhrenmündungen (Poren), so dass die Hutunterseite zunächst als richtig tief bis leuchtend rot erscheint, zum Stiel hin ausgebuchtet. Stiel gelb und dicht an dicht übersäht mit mehr oder weniger großen roten körnigen Flöckchen die hier auch namensgebend sind.
Ein ausnehmend hübscher Pilz, der wohl wegen seines im Jungstadium samtigen Hutes auch den Volksnamen Schusterpilz trägt. Der ganze Pilz ist auf Druck bläuend; das Fleisch ist fest, wird aber im Alter weich und teilweise körnig und verfärbt im Anschnitt sofort von gelb nach dunkelblau.

Vorkommen:

Mai bis November in allen Laub- und Nadelwäldern in ganz Europa, sofern der Untergrund nur sauer genug ist.
Kalkgebiete meidet er - gibt sich aber mit einer deutlichen Oberflächenversauerung schon zufrieden; das ist auch der Grund, warum der Flockenstielige Hexenröhrling auch in einem anscheinend reinen Kalkgebiet vorkommen kann.
Dieses Beispiel zeigt, wie durch den heute üblichen sauren Regen unsere Umwelt drastisch verändert wird.
Der Flockenstielige Hexenröhrling, der der zunehmenden Versauerung der Böden auch in den Kalkgebieten folgt, profitiert zwar von dieser Entwicklung, aber vom Kalkboden unbedingt abhängige Pilze werden dafür immer seltener.
Dieses Phänomen, das sich auch am Beispiel anderer Pilzarten, die in die roten Listen der Mykologen aufgenommen wurden, belegen lässt, wird uns sicher noch des öfteren bei Pilzbeschreibungen begegnen, und entsprechende Hinweise werden dann hier in der Rubrik "Vorkommen" aufgeführt.


Hexenröhrling

- Flockenstieliger Hexenröhrling -
- Boletus erythropus (Fr.:Fr.)Krbh. (B. luridiformis) -
- Norwegisch: Blodrørsopp -
- Sehr guter Speisepilz -

Verwechslungen:

Als Verwechslungspartner gilt hier vor allem der direkte Verwandte, der Netzstielige Hexenröhrling, Boletus luridus, Norwegisch: Ildrørsopp. Dieser Pilz soll laut der Meinung vereinzelter Autoren in Verbindung mit Alkohol genossen individuelle Unverträglichkeitsreaktionen, ähnlich jenen des Faltentintlings (vergleiche
Pilz des Monats Mai 2002) hervorrufen.

Hexenröhrling

- Netzstieliger Hexenröhrling -
- Boletus luridus -
- Norwegisch: Ildrørsopp -
- Kein Speisepilz -

Faltentintling Faltentintling

- Grauer Faltentintling -
- C. atramentarius -
- Norwegisch: Grå blekksopp -
- Kein Speisepilz -

Nach Meinung norwegischer Mykologen (Pilzforscher) ist dies falsch und beruht auf einer Verwechslung mit dem in südlichen Ländern - in Deutschland äußerst selten, in Skandinavien überhaupt nicht - vorkommenden Boletus torosus, (ohne norwegischen Volksname), der nachgewiesener Maßen, Coprin, also das Gift des Faltentintlings enthält, während dieses Gift im Netzstieligen Hexenröhrling nicht nachgewiesen werden konnte.
Lediglich ein einziger Problemfall, der 1982 in der Schweiz publiziert wurde, nannte den Netzstieligen Hexenröhrling als Verursacher einer minderschweren Vergiftung in Verbindung mit Alkohol, und genau hier glauben die Forscher aus Norwegen wurden die beiden Arten Netzstieligen Hexenröhrling und Ochsenröhrling, Boletus torosus miteinander verwechselt. Es ist zu befürchten, dass hier wieder einmal auch namhafte Autoren ohne exakte Erforschung der Hintergründe ein einmal getroffenes (Fehl-)urteil wieder und wieder abgeschrieben und übernommen haben, bis sie selbst daran glaubten. Der wissenschaftlich fundierte Beweis für die Behauptung der Giftigkeit des Netzstieligen Hexenröhrlings in Verbindung mit Alkohol fehlt unterdessen bis heute. Dass der Pilz roh genossen giftig ist, steht außer Frage.
Allerdings sind die meisten Pilze roh giftig und ihre Giftstoffe, werden erst durch ein gewissenhaftes Erhitzen zerstört und die Pilze dadurch bekömmlich (Perlpilz, Maronenröhrling, Rotkappen usw.) Hier gilt immer noch die Regel, dass nur ganz wenige Pilze (am besten nur Steinpilz und Zuchtchampignon) für den Rohgenuss geeignet sind.
Jedenfalls haben die Erkenntnisse der beiden Forscher, dass in den meisten Ländern Europas der hier als Verwechslungspartner unseres Pilz des Monats besprochene, angebliche Giftpilz, zwar als minderwertiger Speisepilz, aber ohne Einschränkungen bei gleichzeitigem Alkoholgenuss gilt, dazu geführt, dass in Norwegen seit diesem Jahr folgende Faustregel im Zusammenhang mit den Röhrlingen gilt:
Alle Röhrlinge die mild schmecken sind essbar - mit Ausnahme des Satanspilz, siehe Beschreibung am Schluss dieses Kapitels. Da dieser Pilz jedoch in Norwegen bis heute nicht vorkam/ vorkommt, gibt es offiziell keine giftigen Röhrlinge in Norwegen (Allerdings wurde der Satanspilz bereits mehrfach in Südschweden gefunden).
Nun aber zurück zur Artbeschreibung des Netzstieligen Hexenröhrlings.
Das Grunderscheinungsbild der beiden Hexenröhrlinge in Farbe und Aussehen kann bei flüchtigem Hinsehen zunächst als fast gleichartig beschrieben werden, wobei der Netzstielige Hexenröhrling mehr hellbraune bis gelbbraune Farben mit einem z. T. leichten Hauch von Orange auch und gerade auf der Hutoberfläche aufweist.
Deshalb ist es wichtig das Augenmerk auf die wenigen, aber markanten Hauptunterscheidungsmerkmale zu richten, die auch dem Laien eine sichere Unterscheidung der beiden Arten ermöglichen. Dies ist zunächst das grobmaschige dunkle Netz, das sich über die oberen zwei Drittel des Stieles zieht und das beim Flockenstieligen Hexenröhrling (er hat ja kleine Flöckchen über den ganzen Stiel verteilt) vollständig fehlt.
Darüber hinaus ist der Röhrenboden des Netzstieligen Hexenröhrlings orangerot und zeichnet sich im Hutdurchschnitt als roter Strich zwischen Hutfleisch und Röhrenschicht ab (beim Flockenstieligen Hexenröhrling mit gelbem Röhrengrund fehlt dieses Merkmal). Weiterhin bevorzugt der Netzstielige Hexenröhrling Standorte auf kalkhaltigen Böden. In Norwegen gefunden als Begleiter von Buche und Eiche besonders in Parks und Gärten hauptsächlich in Südnorwegen, aber auch hinauf bis nach Troms (Lyngen-Alpen).

Ein weiterer Verwechslungspartner könnte der oben bereits erwähnte Satanpilz sein, welcher tatsächlich magen-darm-giftig ist.

Hexenröhrling

- Satanpilz -
- Boletus satanas -
- Norwegisch: Es gibt keinen norwegischen Namen, vermutlich aufgrund der nicht nennenswerten Vorkommmen -
- Schwach giftiger Pilz -

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind sein heller, weiß-silberner Hut, seine karminrot-purpurnen Röhren und der in den unteren zwei Dritteln bis zur Basis hin ebenfalls purpur-karminrote, nicht geflockte und nicht genetzte Stiel. Hinzu kommt sein unangenehmer, im Alter aasartiger Geruch, der sich beim Kochen noch verstärkt.

Hexenröhrling

- Satanpilz -
- Boletus satanas -
- Norwegisch: Es gibt keinen norwegischen Namen, vermutlich aufgrund der nicht nennenswerten Vorkommmen -
- Schwach giftiger Pilz -

Der Satanpilz unterscheidet sich weiterhin durch seinen Standort - er wächst vorzugsweise auf wärmebegünstigten, kalkhaltigen Böden - vom Flockenstieligen Hexenröhrling und kommt nur noch selten in Deutschland vor.
Das Hauptverbreitungsgebiet des Satanspilzes ist in Südeuropa; in Norwegen wurde der Satanspilz bislang noch nicht gefunden.


Verwertung:

Das beim Durchschneiden erst gelbe Fleisch verfärbt sich in Sekundenbruchteilen schwarzblau; eine Eigenschaft die alle Hexenröhrlinge gemeinsam haben.
Diese chemische Reaktion konnte man sich früher nicht erklären, und wie wir heute wissen, wurde alles, was man nicht nachvollziehen konnte, in den Bereich der Hexerei eingestuft; das war bereits im Mittelalter die Geburtsstunde des Volksnamens "Satanpilz".
Tatsächlich handelt es sich jedoch nur um eine völlig ungefährliche Oxidation des Pilzfleisches, sobald es mit Luft in Berührung kommt. Beim Kochen erfolgt dann eine teilweise Entfärbung, so dass die fertig gekochten Pilze eine mehr hellgraue Farbe aufweisen.
Der Flockenstielige Hexenröhrling sollte vor dem Verzehr in jedem Falle sehr gut erhitzt werden. Nur so wird er zu einem ausgezeichneten Speisepilz, der für Suppen und Soßen aber auch als Gemüsebeilage, sowohl im Einzelgericht als auch in der Mischpilzpfanne geeignet ist.
Ein spezielles eigenes Rezept gibt es daher für diesen leckeren Pilz nicht.


Rezepte für die Zubereitung dieses Pilzes

- Pilzragout auf Toast
- Pilzstreugewürz


Besonderer Tipp für Nordlandreisende

Der Flockenstielige Hexenröhrling kommt in ganz Skandinavien vor.